Veröffentlicht von Andreas Buchholz am Mo., 8. Jun. 2020 09:04 Uhr

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus, Amen.

Trinitatis 2020

10.00 St.  Marien-Andreas

4. Mose 6

Liebe Gemeinde,

„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“

Die beiden kämpften und keuchten. Warum? Der Mensch war in der Nacht überrascht worden.

Am Fluss hatte er übernachtet und da war es passiert. Dor fiel ihn der Gott dort an. Warum? Gab es eine Vorgeschichte?  Allerdings!

Er hatte fliehen müssen, denn er hatte etwas gestohlen. Er hatte vor seiner Familie fliehen müssen, denn er hatte den Segen gestohlen.

Sein älterer Brudersollte den bekommen, aber der Vater hatte ihn ihm gegeben. Der Raue,  der wilde Bruder hatte ihn nicht bekommen, sondern mit List hatten sie den Vater getäuscht. Die Mutter und er. Der Liebling der Mutter, das Muttersöhnchen. Die Mutter wollte die Familiengeschichte bestimmen. Was konnte sie dafür, dass der erste Sohn so rau und will geworden war. Die Familie weiterführen, gestalten ausbauen, dass konnte der nie und nimmer.

Der war so ein Hau-drauf. Er war gleich so, mehr wie ein wildes Tier. Mit ihm sprechen war nicht so einfach. Sich mit Worten ausdrücken, den anderen auch mal umgarnen, einzuwickeln, gewinnen, das konnte der nie und nimmer.

Entweder Oder, das war seien Devise. Schön zu Hause alles herrichten. Die Schafe hüten und betreuen, die Herde mehren.

Der nicht. Der konnte es nicht, nie und nimmer. Er zog lieber los, auf die Jagd, ins Freie, sich nehmen was er brauchte, sich alles einfach nehmen, wenn er nur konnte.

Aber was würde mit der Familie werden? Guter Rat war teuer. Der alte Vater war so ein Ratgeber, aber in dieser Sache verstand er gar keinen Spaß.

Alter geht vor Schönheit, und Gesetz ist Gesetz.

Aber was war das für ein Gesetz, das den Dreisten bevorzugte. Hier war doch einzugreifen, umzubiegen, wenigstens ein bisschen.

Der Alte war zu täuschen, ein bisschen.

Lieber jetzt ein bisschen Täuschen, als nachher  die ganz große Enttäuschung erleben müssen.

Also täuschte sie mit dem Sohn den Vater. Der sah nicht mehr so richtig, wollte wohl auch nicht mehr so genau hinsehen.

Würde es gelingen? Den alten Weisen hinters Licht zu führen. Der Familiengeschichte eine gute Wendung zu geben?

Ja, o Ja,  es gelang der Rebekka und dem Jakob. Esau bekam erst alles mit, als es zu spät war. Der Segen war weitergegeben. Die Erbfolge, das Glück konnte seinen Lauf nehmen. Wenn auch auf verschlungenen und nur schwer einsehbaren Wegen.

Als erstes nach dem Coup, der Erschleichung des Erstgeburtssegens musste das Mutterrsöhnchen weg. Weit weg, damit Esau, ihn nicht finden würde und ihn um Gottes Willen nicht umbrächte.

Weit weg zur Familie der Mutter. So beginnen die Jakobsgeschichten.

Lange, lange muss er um seien schöne Rahel dienen, wird selber getäuscht, da ihm zunächst die blöde Schwester Lea untergeschoben wird.

Lange Geschichten, voller Würze, voller Ironie.

Und Esau, der lebt sein wildes Leben und es geht ihm gar nicht schlecht.

Auch er wird reich.

Aber die Familiengeschichte muss doch ihn Ordnung gebracht werden.

Es sollte ein Treffen geben nach all den vielen Jahren. Jakob und Esau. Versöhnung oder Vernichtung? Wie kann es schon werden mit einem Hau-drauf, dem Rauen, dem Wilden?

Aber die Jahre? Aber verändern die Jahre den Charakter eines Menschen?

Kurt vor dieser schicksalhaften Begegnung übernachtet Jakob an Fluss Jabbok.

In der Nacht kämpft er mit der Vergangenheit. Es bohrte und brodelte in ihm. War es damals richtig gewesen? Was nun? Was würde werden? O weh, seien schöne Familie, seine schönen Herden?

Der Gott des Flusses bedrängt ihn. Heilige Orte heilige Flüsse, da wohnt ein Gott.

Die beiden kämpfen. Jakob ist stark, aus dem Muttersöhnchen ist ein starker selbstbewusster Mann geworden.

Schließlich bittet d er Gott, dass Jakob ablassen möge. Das Licht des Morgens begann schon zu funkeln.

Da kommt dieser Satz: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

Segen, das Thema  seines Lebens. Noch einmal, wieder neu.

Jakob bekommt den Segen. Aber er bekommt noch etwas. Eine Beigabe, den Tick, den Haken, der auch mit dazu gehört.

Ihm wird auf die Hüftpfanne geschlagen, vo da her wird er etwas hinken.

Aber es wird ihn auch immer erinnern, dass er ein gesegneter ist.

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

Segen, was ist Segen? Immer währendes Glück? Immer etwas über dem Erdboden schweben auf der Wolke des Glückes.

Ne, Segen ist auch sehr erdverbunden und begleitet durch das Auf und ab des Lebens.

Segen, das ist so etwas wie die Schmuckkette, die Manche Menschen  immer tragen. Gar nicht groß und oft unter den Sachen versteckt, aber immer da, selbst in den größten Niederlagen.

Segen, der Hohepriester Aaron wird en Segen erteilen, dem ganzen Volk.

In d er Kirche hat man sich immer wieder gescheut, diesen Segen auszusprechen. In der evangelischen Kirche ist er zur  großen Tradition geworden.

Schon das Kind wird nicht die segnende Gestalt am Ende des Gottesdienstes vergessen.

Der segnenden, der weitergibt, zusprechen möchte, was hilft.

Die große Verbindung, dreifach, Vater Sohn und Heiliger Geist.

Segen will uns aufschließen für Neues.

Segen,  was für eine großartige Sache , die uns ernst werden lässt. Wir neigen ja immer etwas zum Ernst, wir Evangelischen.

Wussten sie, warum Bischöfe nicht so gerne  ins Schwimmbecken gehen?

Eine falsche Bewegung und alles ist Weihwasser.

Segen, Semliner Eiersegen. Der junge Bursche der in  Semlin nichts bekommt und sieht die Brotkrümel, die für die Hühner bestimmt sind.

Er hat so einen Hunger und ißt sie auf. Aber darüber war  doch schon der Eiersegen gesprochen, damit die Hühner besser Eier legen.

O weh, er wird zum Huhn und es endet (typisch Brandeburgisch)

Nach dem Legen muss er kakeln, man konnte auch sagen reden.

D Zum Schlusse pflegte er zu sagen: ?Das legen, das ist leicht getan! Das Kakeln aber, das greift an!?

Das Tun war kein Problem, aber das reden.

 

 

Segen.

Geht’s auch ohne? Ohne  Kirchensegen.

Offensichtlich, sonst wäre ja die Kirche immer rappel zappelvoll.

Aber Jakob, der kluge Jakob, der hatte es wohl begriffen:

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

So eine Chance muss genutzt werden.

Geht’s auch ohne? Klar geht’s auch ohne.

Aber nicht so gut, nicht einmal halb so gut.

Wie gut tut der Segen bei der Taufe, der Konfirmation, der Trauung.

Und auch am Schluss des Lebens.

Ich möchte nicht leben ohne  diesen Zuspruch diese Zusage, die Stärke, diese Ermutigung.

Ja, man könnte auch alleine leben, aber wie schön, wenn da jemand zuhört zuspricht Kraft gibt, weitergibt, was von Gott kommt. Amen

Und der Friede , welcher höher ist, als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und sinne in Jesus Christus.

Lied: Geh unter der Gnade   SJ 65, 1 - 3

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